Mitarbeiterbeurteilungsgespräch: Notwendiges Übel oder bringt es doch was?

«Müssen wir schon wieder Mitarbeiterbeurteilungsgespräche führen»? «Haben wir nicht erst gerade die Mitarbeitergespräche geführt»? «Ich habe keine Zeit für solche HR-Flausen, ich muss Business machen». Solche oder ähnliche Aussagen höre ich immer wieder von Linienvorgesetzten, wenn der typischerweise Ende Jahr anstehende Mitarbeiterbeurteilungsprozess von Seiten Human Resources angestossen wird.

In solchen Situationen frage ich mich immer wieder, wie wichtig ist eigentlich die Ressource Mensch im Unternehmen? Welche Wertschätzung wird den Mitarbeitenden von den Vorgesetzten entgegengebracht? Weshalb schreiben wir in unseren Hochglanzbroschüren, dass die Ressource Mensch das wichtigste Kapital im Unternehmen ist?

Jeder hat gerne mal ein Lob

Seien Sie doch mal ehrlich liebe Vorgesetzte, schätzen Sie es nicht auch, wenn Ihnen jemand, idealerweise ihre Mitarbeitenden oder gar ihr Vorgesetzter, einmal Dankeschön sagt oder Ihnen auch mal aufzeigt, was sie in der Beurteilungsperiode alles Positives zum Unternehmenserfolg beigetragen haben? Sie mögen jetzt denken, dass solche Gespräche ja jederzeit spontan zwischen Tür und Angel oder in der Kaffeepause passieren. Ich spreche aber nicht von solchen zufälligen Begegnungen. Beim Thema Mitarbeiterbeurteilungsgespräch denke ich an ein strukturiertes, idealerweise mindestens jährlich stattfindendes Gespräch.

Abstimmung der Befindlichkeiten und Erwartungen

Ein gutes Mitarbeiterbeurteilungsgespräch dient der Abstimmung wechselseitiger Befindlichkeiten und Erwartungen. In diesem mindestens einstündigen Gespräch sollten die Vorgesetzten mit den Mitarbeitenden Rückschau halten, die aktuelle Situation besprechen und zudem einen Blick in die Zukunft werfen. Themen wie Verbesserungsvorschläge, allfällige Weiterbildungsbedürfnisse und nicht zu Letzt eine Potentialeinschätzung sollten weitere Inhalte dieses Gespräches sein. Bei einem Beurteilungsgespräch sollte der Mitarbeitende auch die Möglichkeit haben, sich über den Vorgesetzten zu äussern (Aufwärtsqualifikation).

Trends

Trends zeigen, dass in Zukunft der Fokus solcher Gespräche weg von der eigentlichen Beurteilung nach A++ oder A/B/C hin zum gesamtheitlichen Gespräch geht. Immer mehr werden auch Themen wie die Zusammenarbeit, das Coaching durch Vorgesetzte und die Entwicklung der Mitarbeitenden besprochen. Die individuellen Talente und Stärken der Mitarbeitenden rücken damit noch stärker ins Zentrum. Mitarbeiterbeurteilungen werden so konstruktiver, zukunftsgerichteter und noch stärker auf den Mehrwert ausgerichtet. Mit dieser Vorgehensweise lässt sich eine Entwicklungsplanung für jeden Mitarbeitenden bei Bedarf individuell ableiten oder gar eine mögliche Nachfolgeplanung einfach realisieren. Wichtig erscheint es uns, dass das Human Ressources, vor allem im KMU-Umfeld erkennt, welches Potenzial diese Mitarbeiterbeurteilungsgespräche beinhalten und entsprechend diese Fülle von Inputs sinnstiftend für die Unternehmung validiert.

Fazit

Motivieren Sie sich als Vorgesetzte die anstehenden Mitarbeiterbeurteilungsgespräche seriös durchzuführen. Einerseits erhalten Sie als vorgesetzte Person eine persönliche Rückmeldung und andererseits können sie ihren Mitarbeitenden mit ein paar wenigen Worten viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung schenken. Es geht nicht darum nur Lobesworte auszusprechen, nein ganz im Gegenteil, auch konstruktive Kritik bringt Ihre Mitarbeitenden weiter und ermöglicht deren Entwicklung. Nutzen Sie die Erkenntnisse, die sie aus diesen Gesprächen gewinnen. Sobald eine solide Vertrauensbasis da ist, werden ihre Mitarbeitenden sie als Wegbegleiter, Coach und Mentor noch mehr schätzen!

Wir von der HR for you sind überzeugt, dass mit effektiven und gut geführten Mitarbeitergesprächen und den dafür notwenigen Instrumenten ganz viel Positives und Nutzbringendes erreicht werden kann.

Zitat zum Schluss

«Die Anerkennung, das Lob der anderen, stärkt unser Selbstwertgefühl.
Es gibt Schwung für neue Aktivitäten. Aber man muss auch selbst die Kraft in sich haben,
andere anzuerkennen. Und das sollte man öfter tun. Es macht den Umgang untereinander leichter.»

Aenne Burda
Mitbegründerin des Verlages BURDA Moden

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